Wehrpflicht – nur ein Gruß aus dem Sommerloch?

Mitten im Sommerloch geistert plötzlich das Reizthema „Wehrpflicht“ durch die Medien. Seit 10 Jahren können sich nun endlich junge Menschen aussuchen, ob sie bei der Bundeswehr das Kriegshandwerk lernen wollen, Zivildienst leisten wollen, oder eben nicht. Inzwischen präsentiert sich die Bundeswehr als ein Arbeitgeber wie viele. Sie präsentiert sich als cooler Partner auf Ausbildungsbörsen und schaltet peppige Werbung in allen Medien.
Aber all das scheint nicht zu reichen, um die Personalprobleme der Bundeswehr zu beheben.
Jeder andere Arbeitgeber muss sich nun an dieser Stelle Gedanken machen, wie er sein Fachkräfteproblem löst. Bessere Bezahlung, bessere Ausstattung oder Familienfreundlichkeit sind zum Beispiel beliebte Wege der Mitarbeitergewinnung. All das kann die Bundeswehr nicht wirklich bieten. Es ist einfach für immer weniger Menschen eine Perspektive, Soldat zu werden.
Man könnte das alles so interpretieren, dass junge Menschen keinen Sinn mehr im Krieg sehen, oder sich nicht als Stellvertreter für größere – meist wirtschaftliche – Interessen verheizen lassen wollen.
Das wäre eine moderne, zeitgemäße Interpretation.
Die CDU jedoch interpretiert in ihrer altbekannten Weise. Aufrüstung und waffenstarrende Armeen kennt man ja noch von früher. Also greift man lieber wieder in das Leben und die Selbstbestimmung ganzer Generationen ein und ruft zu den Waffen. Dank der Hilferufe von Gesundheitsminister Spahn will man gleich noch die ein oder andere Forderung umsetzen und den Pflegebereich durch Zivis stärken. Dass ein Zivi keine examinierte Pflegekraft ersetzt, sei nur am Rande erwähnt.
Eine Umfrage ergab übrigens 58% Zustimmung zu diesen Plänen. Ein O-Ton war in einem Interview, dass die Bundeswehr den jungen Leuten wieder Zucht und Ordnung beibringen würde.
Ich hoffe sehr, dass sich die jüngeren Generationen nicht von den konservativen Kräften kontrollieren lassen wollen, sondern dass sie die Kräfte honorieren, die sich tatsächlich um sie und ihre Zukunft bemühen. Hier muss man nur lernen, zwischen populistischen Aussagen und ernst gemeintem Interesse zu unterscheiden.

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