Werkstätten für Menschen mit Behinderung – geht es nicht auch etwas inklusiver?

Am 24.01.2019 fand Thüringer Landtag die öffentliche Anhörung zum Maßnahmenplan der Landesregierung zur Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention statt.
In diesem Zusammenhang wurde erneut Kritik am System der Werkstätten für Menschen mit Behinderungen laut. Konkret forderte unter anderem die „LIGA der Selbstvertretung Thüringen e.V.“ deren Abschaffung.

In erwartbarer Schärfe hält die Thüringer CDU dagegen und malt ein Schreckensbild, welche sich auch auf Äußerungen des Lebenshilfe e.V. stützt. Die CDU fordert wie immer ein „weiter so“.

Unabhängig davon, dass durch die LIGA Betroffene selbst sprechen und mit der Lebenshilfe ein Träger von Werkstätten für Menschen mit Behinderung mit gänzlich anderen Zielen agiert, muss man sich dieses Themas natürlich annehmen.

Die UN-Behindertenrechtskonvention spricht sich eindeutig gegen exklusive Systeme aus. Dazu zählen auch Werkstätten für Menschen mit Behinderung. Natürlich sind zur Zeit viele Menschen in Thüringen in genau solchen exklusiven Werkstätten beschäftigt und ein drohender Verlust von Arbeitsplätzen ist natürlich ein Thema, welches aufhorchen lässt.

Die Diskussion um die Zukunft der Werkstätten läuft meiner Ansicht nach aber viel zu sehr nach einem Schwarz-Weiß-Schema ab. Mit einem Entweder-Oder wird man nicht der UN-BRK gerecht, noch den berechtigten Interessen der aktuellen Mitarbeiter*innen, die für sich eine Sicherheit wünschen.

Was wäre also eine Alternative?

Wenn man das Fernziel ansetzt, möglichst viele Menschen mit Behinderung auf dem ersten Arbeitsmarkt zu beschäftigen, muss man einen Übergang gestalten. Eine Möglichkeit wäre, dass sich die Werkstätten zu Ausbildungs- und Vermittlungsstellen wandeln. Das KnowHow im Umgang mit Menschen in schwierigen Situationen bzw. mit schwierigen Voraussetzungen könnte so genutzt werden, gezielt auf bestimmte Arbeitsplätze hin auszubilden und dann auch im Rahmen des Budget für Arbeit die Beschäftigten und Arbeitgeber im Arbeitsalltag zu begleiten.

Der produktive Teil der Werkstätten gehört meiner Ansicht nach abgeschafft. Das ist nur eine verlängerte (billige) Werkbank für Firmen. Die Arbeiter*innen erhalten aktuell keinen Mindestlohn und der Arbeitgeber muss sich nicht langfristig an Mitarbeiter*innen binden. Gibt es mal eine wirtschaftliche Flaute, wird einfach kein Auftrag an die Werkstätten rausgegeben. Das ist wie Zeitarbeit – nur mit einem sozialen Anschein.

Es müssen mehr inklusive Unternehmensgründungen gefördert werden – Unternehmen, in denen Menschen mit und ohne Behinderung zusammen arbeiten. Hier können auch die Träger der Werkstätten aktiv werden, ihre bisherigen produktiven Standbeine ausgründen und sich auch für Menschen ohne Behinderung öffnen.

Es gibt immer einen Weg – man muss ihn nur wollen und sich etwas bewegen. Ein „weiter so“ bringt genauso wenig, wie eine radikale Schließung aller Werkstätten.

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