„Mohrenfest“ – wo liegt das Problem?

Seit im Frühjahr dieses Jahres der neue Name für das Eisenberger Stadtfest durchgesickert ist, hat die Kritik an dem Namen nicht wirklich nachgelassen. Dass es einen Neuanfang für das Stadtfest geben musste war absehbar. Seit Jahren keine Innovationen, bei der Veranstaltungsplanung. Die erreichte Zielgruppe war definitiv nicht ein Querschnitt der Eisenberger und für Menschen, die nicht auf Rummel, Schlager und Rummstada aus sind, war das Fest sowieso nix.

Ich freue mich, dass das neue Veranstaltungskonzept scheinbar gut angekommen ist und das Fest so gut besucht war. Ich selbst war an dem Wochenende leider nicht in der Stadt. Obwohl ich kein Fan solcher Feste bin, wäre ich doch gern mit der Familie mal durch die Stadt geschlendert.

Was aus meiner Sicht allerdings weiterhin schwierig ist, ist der Umgang der Stadt und zahlreicher BürgerInnen mit dem neuen Namen des Festes – „Mohrenfest“. Ich kann den Gedanken, etwas typisches aus der Eisenberger Geschichte aufzugreifen und dies als Marketinginstrument zu nutzen sehr gut nachvollziehen. Dass es aber ausgerechnet der „Mohr“ sein musste…..

Es war absehbar, dass der Name polarisiert. Meiner Meinung nach wäre der Name auch legitim, wenn man sich die Mühe gemacht hätte, diesen nicht unreflektiert zu nutzen. Die erwartbare Kritik hätte man schon im Vorfeld aufgreifen und inhaltlich umsetzen können. Es gibt viel zu der Geschichte oder Sage zu erzählen. Warum wurde dies nicht getan? Es wäre ein gute Ansatzpunkt gewesen, den EisenbergerInnen und Gästen Gesprächsangebote zu schaffen und im Rahmen des Festes eine Gesprächsrunde mit Historikern, EinwohnerInnen und „Betroffenen“ zu initiieren.

All dies ist aber nicht geschehen.

Dass die Kritik vor allem von außen und nicht aus Eisenberg kam, hat viele zu einer reflexartigen Abwehrreaktion provoziert. Es wurde gegen das „linksgrüne“ Lager geschossen, Kritiker mit Kommunisten gleichgesetzt und in den Kommentaren in den sozialen Medien genau der Rassismus zelebriert, den die Kommentatoren eigentlich gerade von sich weisen wollten.

Dass der Bürgermeister jetzt in nichtöffentlicher Runde von ihm auserwählte Akteure mit den Fraktionsvorsitzenden zusammen holen will, kann nicht wirklich der Kritik gerecht werden. Ich verstehe, dass es aktuell schwierig ist, eine gute öffentliche Diskussionsrunde zu dem Thema zu führen. Es wäre aber trotzdem die Aufgabe der Stadt, hier ein offenes Dialogforum zu schaffen. Nicht alle Eisenberger stehen blind hinter „ihrem Mohren“. Diese Menschen sollte der Bürgermeister genau so mitnehmen, wie die, die einen kritiklosen Umgang mit der Eisenberger Geschichte pflegen.

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