Gott sei Dank bin ich Pazifist.

Spätestens seit dem dem am 5. Februar 2020 Thomas L. Kemmerich mit den Stimmen von FDP, CDU und vor allem AFD zum Thüringer Ministerpräsidenten gewählt worden ist, reden viele von einen „Dammbruch“. Vergleiche mit Hitler werden bemüht. Die Empörung geht quer durch die Gesellschaft.

Zu Recht!

Ich war gestern auf der Demo in Gera. Vertreter von Parteien (Die LINKE., SPD, Bündnis 90 / DIE GRÜNEN, DIE PARTEI), Aktivisten von Fridays for Future, Gewerkschaftsvertreter und sicher noch mehr Engagierte aus anderen Bereichen standen ratlos zusammen. Wie weiter mit Thüringen? Wie weiter mit unserer Demokratie?

Ich fuhr danach nach Hause und war völlig niedergeschlagen und traurig.

Heute früh auf dem Weg zur Arbeit ist diese Trauer in Wut umgeschlagen. Es fällt mir schwer, meine Wut in Worte zu fassen. Wut auf die AFD. Wut auf die FDP. Wut auf die CDU. Wut auf „das System“. In meiner Playlist habe ich nach passender Musik gesucht. „Fickt das System“ von DIE STERNE ist toll – aber nicht das richtige. „Scheißverein“ von Marc Uwe Kling schon eher:

Ich blickte auf die Sitzung im Parlament
Auf jene die man Volksvertreter nennt
Und dann musste ich einfach von der Kuppel schreien:
‚Ist das die Mitgliederversammlung vom größten Scheißverein?‘

Dann fiel mir aber ein Lied ein, welches ist vor ein paar Wochen wieder entdeckt hatte: Enough is Enough von CHUMBAWAMBA. Mit dem Lied im Autoradio bin ich nach Gera rein gerollt.

Enough is enough is enough
Give the fascist man a gunshot

Diese Zeilen spiegelten genau die Wut wider, die ich in mir hatte. Ich habe das Lied immer wieder von neuem gestartet und saß am Ende heulend hinterm Lenkrad. Ich kann so gut verstehen, das Menschen, die sich ähnlich verarscht fühlen, ihre Wut irgendwie raus lassen müssen. Steine werfen, Graffiti sprühen – irgendwo muss der scheiß Frust ja hin. Das sind nicht meine Mittel der Wahl und ich kann das auch bei anderen nicht gutheißen – aber verstehen.

Gott sei Dank bin ich Pazifist, und habe meinen Weg gefunden, mit meiner Wut umzugehen. Ich bin in die Politik gegangen, um mit diesen Mitteln etwas zu bewegen und genau diesen Weg werde ich auch weiter gehen.

Ich bin unglaublich froh, dass sich seit gestern immer mehr Menschen zu Wort melden und den „Dammbruch“ und die Naivität der CDU und FDP aufs schärfste verurteilen. Dass ich mal mit Markus Söder, Annegret Kramp-Karrenbauer, FDP Bundestags-Fraktionsvize Alexander Graf Lambsdorff und meiner Partei gleichzeitig einer Meinung sein kann, tut gut im Sinne der Demokratie.

 

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