Eisenberg, Thüringen
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M*Fest – Kritik, die man nicht anbrigen darf?

Politik im Ehrenamt.

M*Fest – Kritik, die man nicht anbrigen darf?

Vom 27. bis 29. August 2021 veranstaltet Eisenberg wieder das Stadtfest unter dem neuen – umstrittenen – Namen „Mohrenfest“. Diese Namensgebung wurde bereits 2019 in einem offenen Brief von Initiativen und Menschen, welche eigene Erfahrungen mit Rassismus haben, oder Menschen vertreten, die davon betroffen sind, kritisiert.

Da seit dem zu wenig Bewegung und konstruktiver Diskurs in Eisenberg stattgefunden hat, wurde anläßlich des diesjährigen Festes ein neuer offener Brief an alle Eisenberger*innen veröffentlicht, welchen ich als einer der Erstunterzeichner*innen mit unterstütze.

In div. Facebookgruppen, auf der Facebookseite der OTZ und auch in Leser*innenbriefen wurde der Brief heftig diskutiert. Wenn ich mir die meisten Kommentare im Internet durchlese, bekommt man ein sehr mieses Bild von Eisenberg. (was sehr schade ist)

In den Kommentaren wimmelt es von Vorurteilen, Gewaltaufrufen, homophoben Äußerungen, Unterstellungen etc. pp.

Und das alles nur, weil EIN WORT und die damit zusammen hängende Bedeutung kritisiert wird. Es werden nicht die Stadt, die Menschen oder das Fest angegriffen, sondern es wurde auf ein Thema aufmerksam gemacht und zum Diskurs aufgerufen.

Vor einem Jahr habe ich bereits eine Veranstaltung im Eisenberger „Scheithof“ als Diskussionsangebot organisiert. Dort gab es wirklich gute Diskussionen zum Thema Alltagsrassismus und natürlich auch zur Namensgebung des Festes. Es waren konstruktive Vorschläge dabei, die zum einen in den neuen offenen Brief mit eingeflossen und zum anderen inzwischen wohl auch von der Stadt aufgegriffen worden sind.

In der OTZ steht heute, dass die Stadt eine historische Einordnung der Sage als Info-Tafel in der Nähe des Brunnens anbringen möchte. Das ist ein guter und richtiger Schritt. Natürlich gehört die Sage zur Stadtgeschichte und das will auch niemand auslöschen. Aber Geschichte muss auch immer in den richtigen Kontext gesetzt werden. Diese Chance bietet eine Infotafel. Eine begleitende Diskussionsveranstaltung zum Fest wäre auch eine Möglichkeit. Wenn der Bedarf besteht, bin ich gern bereit, erneut eine Diskussionsveranstaltung zu organisieren.

Und bei aller Auseinandersetzung und schlechter Stimmung in den Kommentarenspalten: Ich hoffe, dass das Fest selbst ein Erfolg für die Stadt und alle Gäste wird – vielleicht hält ja auch das Wetter.