Eisenberg, Thüringen
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Diskussionskultur und Vereinnahmung

Politik im Ehrenamt.

Diskussionskultur und Vereinnahmung

Im letzten Beitrag auf meiner Seite habe ich mich etwas zur Diskussionskultur in sozialen Medien rund um den offenen Brief zum Eisenberger M*Fest geäußert.

Ein „Beleg“ dass man das Stadtfest doch „Mohrenfest“ nennen dürfe war, dass der schwarze Gastronom Andrew Onuegbu sein Restaurant „Zum Mohrenkopf“ genannt hat und stolz darauf ist, auch so bezeichnet zu werden. Dieser eine Fall „darf“ nun als Kronzeuge herhalten, dass die Bezeichnung „Mohr“ doch garnicht rassisitsch sei.

Auf TAZ.de ist ein guter Artikel zum Thema „Rassistische Aussagen von Minderheiten“ erschienen.

Was auffällt: Die Stimme eines Schwarzen, der behauptet, in Deutschland gebe es keinen nennenswerten Rassismus, zählt in den Augen der Rechten mehr als Tausende Stimmen von schwarzen Menschen, die betonen, dass Rassismus in Deutschland ein schlimmes Problem ist. In der Wissenschaft wird dieses Phänomen „Kronzeugentum“ genannt. Kronzeugen der Anklage werden von allen Anklagepunkten freigesprochen, solange sie nur die Anklage stärken.

https://taz.de/Rassistische-Aussagen-von-Minderheiten/!5793120/

Genau dieses Phänomen wird in der Diskussion rund um den Namen des Stadtfestes genutzt. In Eisenberg wohnen sehr sehr wenige schwarze Menschen. Wenn ein oder zwei von diesen Eisenberger*innen sich im Internet oder sonstwo äußen, dass sie kein Problem mit dem Namen haben, bedeutet das nur, dass sie selbst keine Probleme haben. Sie sprechen aber nicht für zahlreiche andere Menschen, die von Rassismus betroffen sind und aufgrund ihrer (beispielsweise) Hautfarbe massive Nachteile haben.

Es wird verdrängt, dass Menschen mit „Migrationshintergrund“ auch in Eisenberg teils massiven Anfeindungen ausgesetzt waren und sind. Ich erinnere mich an THÜGIDA-Aufmärsche, bei denen gegen Asylsuchende demonstriert worden ist. Zu diesen Demos sind Eisenberger mitgelaufen. Es wurden Geschichten von massiver Kriminalität rund um die Erstaufnahmestelle erzählt und die Menschen dort entsprechend behandelt.

Eisenberg ist kein „Kaff von Rassisten“, aber es gibt Rassismus in Eisenberg. Und die unreflektierte Weitererzählung der „Mohrensage“ wird das Problem nicht kleiner werden lassen – das falsche und romantisierte Bild vom „wilden Schwarzen im Baströckchen“ wird nur von Generation zu Generation weiter gegeben.

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