Eisenberg, Thüringen
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Werdegang eines Statements

Politik im Ehrenamt.

Werdegang eines Statements

Heute – einen Tag nach der Bundestagswahl – wurde ich als einer der Sprecher (Vorsitzenden) des Kreisverbandes DIE LINKE Saale-Holzland-Kreis von der OTZ um ein kurzes Statement zum Wahlausgang gebeten.
Da ich gerade vor dem Kindergarten stand und erstmal der sandige Inhalt der Schuhe vom Kindergartenkind entfernt werden musste, hatte ich noch etwas Bedenkzeit.
In dieser habe ich meinen beiden Co-Sprecher*innen die Denksportaufgabe auf den Weg gegeben, doch Vorschläge für ein gutes Statement zu mailen, aus denen ich dann was „basteln“ werde.

Mein erster Gedanke für eine Stellungnahme war ein wütendes AfD-Bashing. Dieser Gedanke blieb aber erstmal im Kopf.
Der erste Vorschlag der in der Zwischenzeit eingetrudelt kam, klang da schon mehr nach seriösem Politiksprech:

Vielleicht in die Richtung:
Wir haben mit Frank Tempel ein gutes Angebot an die Wählerinnen und Wähler gemacht, das zeigt auch sein persönliches Ergebnis, was über dem Zweitstimmen-Ergebnis für DIE LINKE liegt. Es bleibt aber natürlich ein bitterer Tag für unsere Partei, auch im SHK. Es gilt jetzt, das Ergebnis in Ruhe zu analysieren.

Damit konnte ich schon was anfangen. Die zweite eher augenzwinkernde Vorschlag per Mail klang dann sehr nach meiner ersten Idee, aber konnte aus Urheberrechtsgründen nicht umgesetzt werden:

Und wenn du friedlich gegen die Gewalt nicht ankommen kannst
Ist das letzte Mittel, das uns allen bleibt, Militanz.

Damit verbunden war aber noch ein echter Hinweis:

Aber ernsthaft sehe ich den anderen Text als gute Variante an. Vielleicht noch mit dem Hinweis, dass es jetzt darauf ankommt das Vertrauen der Wählerinnen und Wähler wiederzugewinnen mit kontinuirlicher Arbeit an der Basis und in den Räten. Das ist das was uns ausmacht.

Am Ende habe ich dann folgendes Statement an die OTZ gemailt:

Wir haben mit Frank Tempel ein gutes Angebot an die Wählerinnen und Wähler unterbreitet. Das zeigt auch sein persönliches Ergebnis, welches über dem Zweitstimmen-Ergebnis für unsere Partei liegt. Es bleibt aber natürlich ein bitterer Tag für DIE LINKE., auch im Saale-Holzland-Kreis.
Für uns gilt jetzt, das Ergebnis in Ruhe mit unseren Mitgliedern zu analysieren. Gemeinsam müssen wir Wege finden, in den kommenden Monaten das Vertrauen der Wählerinnen und Wählern in uns und unsere politischen Ziele zurück zu gewinnen.

Das Statement wurde fast ungekürzt abgedruckt und klingt doch nach einer Floskel.

Eigentlich hätte ich aber in etwa folgendes schreiben sollen:

Die Stimmenverluste unserer Partei sind schmerzhaft und wir werden dies mit unseren Mitgliedern kritisch diskutieren. Eine erste Analyse zeigt jedoch schon, dass viele unserer ehemaligen Wählerinnen und Wähler strategisch gewählt haben, um ein Weiterso der CDU und einen Kanzler Laschet zu verhindern.

Wir sind mit dem Wahlergebnis für unsere Region absolut unzufrieden. Unser Wahlkreis wird nun im Bundestag von einem Direktkandidaten vertreten, der weder Teil einer Regierung sein wird, noch mit einer Zusammenarbeit mit anderen demokratischen Parteien rechnen kann. Unser Region kann so nicht vom Mandat des Abgeordneten profitieren. Die Stimmen für den Kandidaten der AfD sind verschenkte Stimmen.

Aber der Politikbetrieb ist sehr schnelllebig und da findet man manchmal eben auch nicht sofort die 100%ig richtigen Worte – so zwischen Kindergarten und Abendbrot. Ich stehe zu dem in der OTZ abgedrucktem Statement – finde jedoch, dass wir nicht mit unseren Inhalten kritisch ins Gericht gehen müssen. Die waren und sind gut und richtig. Unsere Art, wie wir diese rüber bringen ist es, was mir manchmal Sorgen macht.

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