Eisenberg, Thüringen
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Ich hadere…

Politik im Ehrenamt.

Ich hadere…

unzufrieden sein und [sich] deshalb [be]klagen oder aufbegehren

Duden | hadern | Rechtschreibung, Bedeutung, Definition, Herkunft

Seit dem 24.2.2022 ist irgendwie alles anders in meiner Partei – in meinem politischen Umfeld. Es geht ein Riss durch Freundschaften, Kreisverbände bis hin zur Bundespartei. Der Riss war früher schon irgendwie da. Waren es früher „pro Wagenknecht“ und „Wagenknecht kritisieren müssen“ ist es heute „aber Putin hat doch Gründe und schaut auf die NATO“ und eben „Putin betreibt einen völkerrechtswidrigen Angriffskrieg


Häufig ist es auch Generationenfrage. Wir haben viele ältere Genoss:innen in unserer Partei, die ihre Sozialisation, ihre Erfahrungen aus der DDR und auch ihre Kränkungen durch die Wende mitbringen. Wir haben aber auch viele junge Menschen gewinnen können, die in einer ganzen anderen Zeit aufgewachsen sind, andere Erfahrungen machen durften und „links sein“ ganz anders leben.

Gerade bei Diskussionen, wie aktuell rund um den Krieg in der Ukraine, prallen diese verschiedenen Erfahrungen aufeinander. Da treffen unterschiedlich ausgeprägte Medienkompetenzen (was sind tatsächlich Fake News, welchen Medien kann man trauen?) auf altes Blockdenken (NATO vs. Warschauer Pakt).


Ich hadere: Wie soll man in so einer Partei noch arbeiten?


Man könnte versuchen, sich irgendwie unter folgender Vereinbarung zu treffen:
Putin und der Westen haben beide die selben Interessen. Es geht IMMER um Geld. Seien es Ölquellen oder seltene Erden, die Kornkammer Europas oder Bodenschätze in Afrika. Egal welche Seite – es wird gelogen, bis man für die (gewalttätige) Durchsetzung der eigenen Interessen irgend einen Anlass gefunden hat. Mobile Chemiewaffenlabore im Irak oder Biowaffenlabore in der Ukraine? Die (ehemals von der USA aufgepäppelten) Taliban oder die vermeintlichen Faschisten in der Ukraine? Die USA haben damals gelogen – ich glaube Russland heute genau so wenig.

Wenn wir Linken das annehmen könnten und beginnen, uns auf keine der beiden Seiten zu stellen, dann hätten wir auch wieder eine Chance als eine LINKE zu sprechen und uns um die zu kümmern, die uns brauchen. Nämlich die „normalen“ Menschen und nicht die Putins oder Bidens oder Selenskyjs oder Oligarichs oder Jeff Bezos` der Welt. Wir müssen unsere Bundesregierung bremsen, wenn sie vom Schreibtisch aus 100.000.000.000 EUR für die Bundeswehr bewilligt, weil dieses Geld am Ende an ganz anderen Stellen fehlt. Wir müssen die Bundesregierung bremsen, wenn sie sich gegen mehr Klimaschutz und für Öl/Gas vom nächsten Terrorstaat entscheidet, weil Putin (aus gutem Grund) aktuell nicht mehr „Freund“ sein kann. Wir müssen mit unseren internationalen Genoss:innen alle Regierungen der Welt bremsen, wenn sie weiter nach der Pfeife des Geldes tanzen und sich mit wehenden Fahnen in den nächsten Krieg stürzen.

Das sind alles Punkte, an denen wir LINKEN glänzen könnten – aber wir zerfleischen uns mal wieder mit unseren internen Lagerkämpfen in der Öffentlichkeit.

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