Frau Eff… und die Besuchshäufigkeit

„…ist es nicht viel­leicht doch besser, dass ich im Hinter­grund arbeite, ihnen die Exis­tenz sichere und die Dinge abnehme, die sie behin­de­rungs­be­dingt nicht alleine leisten können. Ich bin niemand, der sich vor einem Haus­be­such drückt. Es gibt Betreute, bei denen ich phasen­weise mehr­mals pro Woche bin. Aber ich fange nicht an, mich den Leuten aufzudrängen oder ihnen mit einer halben Stunde Gesel­lig­keit zu sugge­rieren, dass recht­liche Betreuer Freund­schaften ersetzen…“

Als rechtlicher Betreuer schwingt immer ein schlechtes Gewissen mit, dass man manche Betreute sehr selten sieht. Ich habe auch drei oder vier Fälle von meinen 45 Betreuten, die ich so gut wie nie zu Gesicht bekomme. Sei es, dass sie Termine einfach platzen lassen oder sich im Heim lieber unter der Bettdecke verstecken, anstatt mit mir direkt zu kommunizieren.
Ich habe selbst schon gehört: „Na dann überweisen Sie doch einfach kein Geld aufs Taschengeldkonto, da melden die sich dann schon.“ Aber ist es meine Aufgabe, erwachsene Menschen zu erziehen und zu zwingen, mit mir im direkten Kontakt zu sein? Es ist nicht mein Geld und es steht mir nicht zu, es den Betreuten vorzuenthalten (so lange keine Selbstgefährdung vorliegt).
In meinen nun fast sieben Jahren als Betreuer hatte ich immer wieder solche Fälle. Mit manchen kann ich wunderbar alle wichtigen Dinge per Whatsapp, E-Mail oder Telefon klären. Ich bekomme die Post per Whatsapp oder E-Mail geschickt, kann absprachen treffen, die ich dann sogar mehr oder weniger schriftlich habe etc. Viele dieser Dinge könnte ich nicht im direkten Kontakt regeln. Da werden die Briefe „vergessen“ mitzubringen, die Situation mit mir schüchtert ein, so dass der oder die Betreute nicht das sagen kann, was er oder sie möchte oder es ist eben ein ewiges Hinter-dem-Termin-herlaufen.
Ich denke, jeder Betreuer muss die Freiheit haben, die Beziehung zu seinen Betreuten so individuell zu gestalten, wie die Betreuten selbst sind. Der/die eine steht die Woche zweimal bei mir auf der Matte oder schreibt fünfmal am Tag eine Nachricht und andere sind in ihrem Lebensumfeld mit ihren Bezugspersonen (Familie, PflegerInnen, ErzieherInnen…) rundum gut versorgt, so dass ich „nur“ die ganze Büroarbeit erledige und ein enger persönlicher Kontakt eher hinderlich wäre.
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