Eisenberg, Thüringen
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Instrumentalisierung der Opfer

Politik im Ehrenamt.

Instrumentalisierung der Opfer

Ende letzten Jahres bekam ich einen Flyer zugeschickt, welcher in der Ostthüringischen Kleinstadt Bürgel verteilt worden ist.

In diesem Flyer wird unter dem Motto “Opferschutz statt Täterschutz” zu einer Demonstration gegen einen verurteilten Sexualstraftäter aufgerufen. Zu dieser Demonstration/Mahnwache kamen angeblich um die 60 Menschen zusammen – erstaunlich viel für diesen kleinen Ort. Organisator war Nico Metze aus Jena.

Anfang dieser Woche bekam ich nun erneut einen Flyer zugesandt. In diesem wird auf die Versammlung vom 29.12.2015 Bezug genommen und nun ein inhaltlicher Bogen gespannt. Ganz grob gesagt, sind nun angeblich die vielen Flüchtlinge daran schuld, dass die vielen Sexualstraftäter unerkannt bleiben oder ihr Tun fortsetzen können. Es sind – laut dem Verfasser des Flugblattes – Opfer (Flüchtlinge) schuld daran, dass andere Opfer (die von Sexualstraftaten) nicht geschützt werden können.

So schön verkürzt dargestellt, lässt sich das ganze wunderbar populistisch verkaufen. Um aber nicht in den Verdacht zu kommen, selbst populistisch zu sein, wird gleich erwähnt “Wir wollen damit keinen Populismus betreiben…”. Ja was denn dann?

Der Organisator der ersten Mahnwache war, wie erwähnt, Nico Metze. Dieser ist bekannt aus dem Bereich verschiedener rechtsextremer Strukturen rund um Jena.

Hier wird wieder versucht, mit einem Thema, zu dem kaum jemand “nein” sagen kann (sinngemäß: “hartes und konsequentes Bestrafen von Sexualstraftätern”) Leute zu ködern und dann für die eigenen Zwecke einzuspannen. Wenn man sich nun offen positioniert und gegen diese Aktion auftritt, ist es eine Frage der Zeit, bis man selbst als Unterstützer von Sexualstraftaten dargestellt wird. Es wird nicht differenziert, dass man mit einer Ablehnung die Art von Protestes meint und es ablehnt, dass die Opfer instrumentalisiert werden.

Die Strafverfolgung von Sexualstraftätern hat nichts mit der aktuellen Situation der Flüchtlinge in Deutschland zu tun. Es darf nicht eine Opfergruppe gegen eine andere Opfergruppe ausgespielt werden. Seitens der Organisatoren wird auf ein Klima des Hasses gesetzt und der Schritt zum Aufruf zur Selbstjustiz ist nicht weit. “Wenn die Polizei uns nicht schützt, schützen wir uns eben selbst.”

Die eigentliche Forderung müsste sein: “Stoppt den Personalabbau bei der Polizei!” Aber dann müsste man auch erwähnen, dass genau dies von der verhassten rot-rot-grünen Landesregierung getan worden ist. Das passt aber nicht ins eigene Weltbild.

 

Quellen:

http://atfjena.blogsport.eu/2014/01/06/nico-metze/

http://arbeitskreis-n.su/blog/2015/06/29/soko-feuerball-hoffmann-und-der-c4-sprengstoff-krieg-in-jena-ab-1998/

https://naziskahla.wordpress.com/1-2/personen/

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