Eisenberg, Thüringen
ach@herr-jemineh.de

Integration im Neubaublock

Politik im Ehrenamt.

Integration im Neubaublock

Ich hatte gestern einen Hausbesuch bei einem Klienten. Er wohnt als 71-jähriger Rentner in einem Neubaublock in Gera. Der Block selbst ist unsaniert und bis vor einigen Monaten nur recht spärlich ausgelastet – meist alte Menschen und “schwierige” Existenzen. Als ich gestern mal wieder dort war, fielen mir die zahlreichen jungen Leute auf, es war Leben in und ums das Haus. Die Stadt Gera hat dort Asylbewerber einquartiert.

Das ist alles auch gar kein Problem – nur hat niemand mit den Bewohnern des Hauses gearbeitet im Vorfeld. In einem sozialen Brennpunkt in größerem Maßstab Flüchtlinge ansiedeln, mit niemanden reden und dann hoffen, dass alles gut geht? Das ist nicht gerade die cleverste Herangehensweise.

Ich habe meinen Betreuten gefragt, wie es ihm geht mit den jungen Leuten im Haus. Erst hat er nur abgewinkt und sich dann beschwert, die würden immer nur im Flur rum sitzen. Die Kinder klingeln und wollen was und er versteht sie nicht. Er scheucht sie einfach nur weg. Und warum die nicht gefälligst auf Arbeit gehen. Und die Nachbarin traue sich auch nicht mehr raus und schaue nur am Türspion.

Ich habe ihm dann erklärt, dass die meisten jungen Flüchtlinge gern arbeiten würden, aber es nicht dürften. Dann habe ich ihn gefragt, ob im Haus schon mal was passiert wäre? Nein! Dann habe ich gefragt, wovor er und seine Nachbarin denn Angst hätten. Er wusste keine Antwort. Ich habe ihn daran erinnert, wie es war, als er jung war und ob er da nicht auch mit seinen Kumpels im Flur oder Treppenhaus oder auf der Straße vor dem Haus rum gehangen hat. Das hat er mir bestätigt.

Am Ende meinte er, dass er das so noch gar nicht gesehen hat und dass ihm das noch niemand erklärt hätte.

Gern geschehen! 🙂

No Comments

%d Bloggern gefällt das: